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Kooperationspartner


Zellstoff Pöls AG
A-8761 Pöls

Kritikalitätsbewertung und Risikoanalyse

ZIEL

In diesem Projekt wird eine Vorgehensmethodik zur Identifikation kritischer Anlagen entwickelt (Kritikalitätsermittlung mit dem vom Lehrstuhl wBw in Kooperation mit BOOM-Software entwickelten CAP-Tool). In weiterer Folge werden für risiko- und/oder kostenkritischen Anlagen Detailanalysen und eine beispielhafte Risikoanalyse am Drehrohrofen sowie die Einführung einer Bewertung für externe Dienstleister durchgeführt. In einem Folgeprojekt wurde die Bewertung auf alle Departments der Zellstoff Pöls AG ausgerollt.

NUTZEN

  • Identifikation der kritischen Komponenten ausgewählter Departments
  • Kostenanalyse der einzelnen Departments und Identifikation der größten Kostentreiber
  • Risikoanalyse zur Reduktion des Anlagenrisikos
  • Maßnahmenableitung als Basis für eine anlagenspezifische Strategiewahl und dynamische Budgetierung
  • Minimaler Ressourceneinsatz durch Automatisierung der Bewertung

PROJEKTINHALT

Die Zellstoff Pöls AG beschäftigt sich als fortschrittliches Industrieunternehmen intensiv mit dem Thema "nachhaltige Anlagenbewirtschaftung". Um eine transparente und aussagekräftige Einschätzung des Anlagenzustandes zu erhalten, wird ein Forschungsprojekt mit dem Ziel eine Ist-Zustands Analyse bzw. einen Abgleich bestehender Managementsysteme und dazugehöriger Dokumente mit der notwenigen Zertifizierungsvoraussetzung der ISO 55001 durchzuführen, gestartet. In einem nächsten Schritt werden Maßnahmen für eine erfolgreiche Zertifizierung abgeleitet:

Abbildung 1: Vorgehensmethodik für eine erfolgreiche Zertifizierung nach ISO 55000 (Passath T., Kinz A., 2018)


Begonnen wurde in diesem ersten Umsetzungsprojekt mit der Einführung einer einheitlichen Anlagenbewertung sowie einer Bewertung externer Dienstleister. Beide Bereiche sind in Kapitel 9 der ISO 55000 (Bewertung der Leistung) wiederzufinden und Grundvoraussetzung für eine Zertifizierung.

Die einheitliche Anlagenbewertung ist vor allem für eine dynamische Anpassung der Instandhaltungsstrategie, zur Erhöhung der Planungssicherheit sowie zur gezielten Schwachstellenanalyse und kritikalitätsbezogenen Budgetierung unerlässlich. Auch durch den steigenden Automatisierungs- und Digitalisierungsgrad gewinnt das Asset zunehmend an Bedeutung. Umso wichtiger ist es, eine demensprechende Datenaufzeichnung und Bewertung auf Anlagenebene sicherzustellen, um eine gezielte, anlagenspezifische Instandhaltungsstrategieplanung durchführen zu können, was auch seitens Zellstoff Pöls angestrebt wird.

Der Prozess der Kritikalitätsbewertung ist ein 5-stufiger Prozess, der kontinuierlich durchgeführt, aber auch an die vorherrschenden Anlagenbedingungen angepasst werden soll:

Abbildung 2: Ablauf der Kritikalitätsbewertung (Passath T., WerWasWo Forschung@MUL, 2017)


Im Falle der Zellstoff Pöls AG soll diese Bewertung nach einmaliger Kritieriendefinition und der Definition der Ausprägungsstufen je Kriterium und deren Gewichtung voll automatisiert erfolgen. Deshalb wird im Zuge dieses Projektes ein Prototyp eines Lean Smart Maintenance Tools zur Kritikalitätsbewertung, welches in Kooperation mit der BOOM Software AG (Leibnitz) entwickelt wurde, getestet. Dieses Tool soll zukünftig bei der Zellstoff Pöls AG durch SAP Schnittstellen solch eine vollautomatisierte Bewertung ermöglichen. Das Ergebnis der Kritikalitätsbewertung wird im sogenannten Anlagenprioritätsportfolio visualisiert:

Abbildung 3: Anlagenprioritätsportfolio (in Anlehnung an Kinz et al., 2016)


Dieses Portfolio, in dem der Anlagenindex den Instandhaltungskosten gegenübergestellt wird, veranschaulicht die kritische Stellung der Anlagen. Die kritischsten Anlagen sind im Portfolio rechts oben zu finden. All jene Anlagen, die sich in diesem Quadranten befinden, sind sowohl in Bezug auf das Risiko, als auch auf die Kosten als kritisch einzustufen. Anlagen, die sich im Portfolio im linken oberen Teil befinden, sind sehr kostenintensiv, während Anlagen rechts unten durch eine hohe Anlagenkritikalität gekennzeichnet sind. Ziel ist durch Ableitung der geeigneten Instandhaltungsstrategien die Anlagen nach links unten zu bewegen, da diese Anlagen als unkritisch eingestuft werden.

Auf Basis dieses Portfolios wird gezielt mit den Detailanalysen einer kritischen Anlage - des Drehrohrofens - gestartet, um gezielt aktuelle und potenzielle Fehler der Anlagenkomponenten zu identifizieren. Diese werden anhand des Schadensausmaßes, der Auftretenshäufigkeit sowie der Entdeckungswahrscheinlichkeit bewertet. Dadurch können gezielt Maßnahmen zur Risikoreduktion und Fehlervermeidung abgeleitet werden. Des Weiteren wird ein Bewertungsbogen für eine einheitliche Bewertung externer Dienstleister eingeführt, um eine gleichbleibende Dienstleisterqualität sowie langfristige Firmenkooperationen sicherzustellen, aber auch um gezielt eine Datenbank für externe Dienstleister aufzubauen. Ziel ist es, dauerhaft einen Überblick über die Qualifikationslevels und Ausbildungen sowie der aktuellen und bisherigen Tätigkeiten zu bekommen.

Im Zuge von Workshops werden die Qualitätsanforderungen externer Dienstleister definiert sowie deren Anforderungsprofile erstellt. Auf Basis dieser Qualitätsanforderungen wird ein Bewertungsbogen erstellt, der ressourcenschonend eine einheitliche Bewertung ermöglicht und mittels Ampelsystem eine personenspezifische aber auch firmenumfassende Trendvorhersage über die Veränderung der Qualifikationslevels externer Dienstleister ermöglicht.

Im Folgeprojekt werden departmentweise die Hauptaggregate im BOOM-Softwaretool bewertet, mit dem Ziel zukünftig eine voll automatisierte Anlagenbewertung bei der Zellstoff Pöls AG zu integrieren. Ziel dieser automatisierten Anlagenbewertung soll sein, direkt auf Basis des Anlagenprioritätsportfolios (Ergebnis Anlagenbewertung) in die Risikoidentifikation und Bewertung der kritischen Anlagen starten zu können.

 

 


ANSPRECHPERSON

Dipl.-Ing. Theresa Passath   |   +43 (0) 3842 402 6013   |  [ E-Mail senden ]




Weiterführende Literatur:

  • Biedermann H. (2016): Lean Smart Maintenance: Wertschöpfende, lernorientierte und ressourceneffiziente Instandhaltung. In Biedermann H. (Hrsg.): Lean Smart Maintenance: Konzepte, Instrumente und Anwendungen für eine effiziente und intelligente Instandhaltung. Köln, TÜV Media, ISBN 3-7406-0096-9, S. 19-29.
  • Passath T., Hochstrasser P., Kühnast-Benedikt R., Simbeni L. (2020): Anlagenspezifisches Risikomanagement in der gelebten Praxis – Kritikalität, Wissenssicherung und Transparenzsteigerung. In: Biedermann H. (Hrsg.): Wertschöpfende Instandhaltung – Tools, Methoden und Modelle. TÜV, noch nicht veröffentlicht.
  • Passath T.; Huber C.; Biedermann H. (2020): Dynamic Criticality Assessment as a Supporting Tool for Knowledge Retention to Increase the Efficiency and Effectiveness of Maintenance. Proceedings of the 1st Conference on Production and Logistic (CPSL 2020), Hannover, S. 48-57.
  • Passath T.; Kinz A. (2019): Optimierung der Anlagen-Lebenszykluskosten durch Einführung eines Asset-Managements. In: Der Instandhaltungs-Berater, Band 79, S. 1-44, 2019.
  • Passath T.; Huber C. (2019): Dynamische Instandhaltungsstrategieanpassung durch Anlagenkritikalitätsbewertung. In: BHM Berg- und Hüttenmännische Monatshefte, Jg. 164, Nr. 1, S. 7–12.
  • Passath T.; Mertens K. (2019): Decision Making in Lean Smart Maintenance: Criticality Analysis as a Support Tool. In: IFAC-PapersOnLine, Jg. 52, Nr. 10, S. 364–369.
  • Passath T.; Huber C. (2020): Asset Management unter der Perspektive der Nachhaltigkeit. In: WINGbuiness 03/20, Graz, 2020.
  • Passath T. (2019): Risk-Based Maintenance for a Holistic Asset Management System: A Model for a Dynamic Adaption of the Maintenance Strategy. 9th IFAC Conference on Manufacturing Modelling, Management and Control. Berlin, Germany.
  • Passath T., Kinz A. (2019): Einführung eines strategischen Asset Management Systems am Beispiel der Zellstoffindustrie. In: Biedermann H. (Hrsg.): Predictive Maintenance: Realität und Vision. TÜV Media, Köln, S. 41-65.
  • Kinz A., Passath T. (2018): Ressourceneffiziente Anlagenbewirtschaftung. In: WINGbusiness, Nr. 1, S. 29–32.
  • Kinz A. (2017): Ausgestaltung einer dynamischen, lern- und wertschöpfungsorientierten Instandhaltung. Dissertation, Montanuniversität Leoben.
  • Kinz A., Bernerstätter B., Zellner T. (2016): Lean Smart Maintenance in der Prozessindustrie: Umsetzung einer schlanken, lernorientierten, risiko- und ressourcenoptimierten Instandhaltung bei der voestalpine Schienen GmbH. In: WINGbusiness, Jg. 49, Nr. 1/2016, S. 16-19.
  • Kinz A., Biedermann H. (2015): Anlagenspezifische Instandhaltungsstrategiewahl durch strukturierte Anlagenbewertung. In: Biedermann H. (Hrsg.): Smart Maintenance: Intelligente, lernorientierte Instandhaltung. 29. Instandhaltungsforum, Köln: TÜV Media. ISBN 978-3-8249-1950-5, S. 221–238.